Grüezi!

Seit 2003 lebe ich im Südschwarzwald. Von meinem Arbeitsplatz aus kann ich in die Schweiz sehen, bei klarer Sicht sogar bis zu den Alpen, und habe große Freude daran. Unsere Region ist geprägt von der Nähe zur Schweiz, und auch unter meinen Kunden sind Schweizer.

Aufgewachsen im Großraum Stuttgart, spreche ich fließend und akzentfrei Schwäbisch. Bei einem Verwandtenbesuch in Sachsen soll ich als Vierjährige meine Mutter gefragt haben: „Schwätze die Russisch?“

Hochdeutsch war für mich lange „erste Fremdsprache“, so habe ich es ausgedrückt. Noch mit 25 Jahren konnte ich kaum zwei Sätze am Stück Hochdeutsch sprechen, dann war ich schon wieder im geliebten Dialekt.

Schriftlich beherrschte ich das Hochdeutsche wesentlich besser. Das verdanke ich der Vorlesekultur meines Elternhauses. Nach jeder Mahlzeit wurden eine oder mehrere Seiten aus Büchern vorgelesen: aus der Bibel, aus Andachtsbüchern, aus Biografien. Jedenfalls kann ich mich in meiner ganzen Schulzeit nur an ein einziges Hochdeutsch-Aha-Erlebnis erinnern: Man darf zwar auf gut Schwäbisch sagen: „wegen mir“ – aber das „wegen“ verlangt im Deutschen immer den Genitiv, also schreibt man „meinetwegen“.

Wesentlich jüngeren Datums ist dagegen die Erkenntnis, dass es richtig heißt: „Bitte rufen Sie mich zurück.“ Für Schwaben eigentlich ein klarer Fall; die machen das im Dativ …

Ich liebe Dialekte und regionale sprachliche Ausdrucksformen. Gute Gedanken aber dürfen ruhig auch einer breiteren Leserschaft zugänglich gemacht werden. Gerne bin ich dabei behilflich, für Veröffentlichungen in der Schweiz nach Wunsch mit oder ohne „ß“, soweit es die neuen Regeln vorsehen: „Draußen ist es sehr heiß, aber ich muss jetzt gehen.“

Zum Abschluss ein Witz mit einem kräftigen Schuss schwäbischer Selbstironie:
Der ICE Zürich-Hamburg verlässt den Zürcher Hauptbahnhof. Im Abteil sitzen ein Hamburger, ein Schweizer und ein Schwabe. Der Schweizer eröffnet die Konversation und fragt den Hamburger: „Sytt’r z’Züri gsi?“ Der versteht überhaupt nichts und sieht ziemlich hilflos drein. Da beeilt sich der Schwabe einzuspringen: „Der moint doch gwää!“ (Schwäbisch für „gewesen“.)
Offensichtlich eignen sich Schwaben besonders gut zum stammesübergreifenden Übersetzen innerhalb des deutschen Sprachraums …

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